Preschool-12 Bilingual Education in
Three Locations in the Bay Area

E-Learning

**The English version of this site will be published in the Spring of 2016.**

Unterrichten und Lernen im digitalen Zeitalter

Ein Projekt der Unterrichtsentwicklung an der German International School of Silicon Valley (GISSV) zur Umsetzung innovativer Lernkonzepte, die die technischen Möglichkeiten des Computereinsatzes mit den bewährten Methoden sozialer und kooperativer Lernformen verbinden

Im Zeitalter von Industrie 4.0 sind Konzepte zur Einbeziehung digitaler Medien in der Schule überfällig. Aktuelle Studien zeigen, dass deutsche Schülerinnen und Schüler international den Anschluss zu verlieren drohen. Es fehlt in deutschen Schulen an pädagogisch durchdachten Konzepten, die schulisches Lernen durch digitale Medien in seiner Wirksamkeit unterstützen. Dabei zeigen neue Entwicklungen, vor allem im Bereich der Universitäten, dass die Digitalisierung erhebliches Potential mit sich bringt, wenn es darum geht, jungen Menschen den Zugang in die Berufswelt zu ermöglichen. Letztlich leistet die Digitalisierung damit einen Beitrag zur Demokratisierung und zum weltweiten Zugang auf Bildung. Im Auge der aktuellen Entwicklungen in Deutschland bietet die Entwicklung digital unterstützter Unterrichtskonzepte erhebliche Bildungschancen.

Das Projekt unterstützt Lehrende und Lernende bei der Umsetzung der Leitfragen zum erfolgreichen Unterrichten und Lernen in der digital geprägten Welt. Das Projekt leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Berufsvorbereitung von Schülerinnen und Schülern und zeigt gleichzeitig, wie die konsequente Einbeziehung eines Learning Management Systems Potentiale zur Unterrichtsentwicklung freisetzt, die vor allem in den Bereichen der Vernetzung und Kooperation angesiedelt sind.

Das Projekt besteht aus der Entwicklung eines Learning Management Systems (LMS), aus der Erstellung von Unterrichtsmaterial sowie aus dem unterrichtlichen Einsatz zunächst an der GISSV, bald vermutlich auch an anderen deutschen Auslands- bzw. Inlandsschulen.


Von der Planung zum Einsatz

Angeregt durch die vielfältigen Impulse und Kontakte, die sich aus der Nachbarschaft zu Firmen wie Google, Apple und Adobe ergeben, entwarf eine Gruppe von Lehrkräften der GISSV im Herbst 2013 das Unterrichtskonzept. Die GACC, die in San Francisco angesiedelt ist, half uns beim Zugang zu professionellen Netzwerken und zu an „Edtech“ interessierten Partnern.

Parallel zur Evaluation vorhandener Learning Management Systeme (LMS) wurden im Schuljahr 2013/14 in Gesprächen mit ortsansässigen Firmen (z.B. Google, Cisco und Adobe) Möglichkeiten für die Umsetzung dieses Unterrichtskonzeptes diskutiert. Die Entscheidung fiel schließlich auf eine Eigenentwicklung unter Einbindung von kommerziellen Komponenten (Wikispaces als Content Management System und Adobe Connect als Video Conferencing Tool) über Programmschnittstellen.

Das LMS wurde über einen Zeitraum von zwei Jahren von einer Lehrkraft, zwei Oberstufenschülern und einem Elternteil unter Beratung eines Google-Mitarbeiters programmiert.

Die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen unterstützt die Entwicklung von Unterrichtsmaterial seit dem Schuljahr 2014/15 finanziell.

Das LMS und die Unterrichtsinhalte werden bereits seit dem Schuljahr 2014/15 eingesetzt und in regelmäßigen Beratungen mit den beteiligten Schülern und Lehrkräften evaluiert und entsprechend des Feedbacks verbessert.

Die daraus erwachsenden Kompetenzen im pädagogischen Einsatz neuer Medien wurden im Rahmen einer regionalen Fortbildung (GISSV, März 2015), einer schulinternen Fortbildung für das Kollegium der DS Washington (Oktober 2015) und eines Medien-Workshops (Mexico City, November 2015) multipliziert. Weitere Veranstaltungen, z.B. beim Bundeskongress deutscher Schulleiter im September 2016, sind geplant.

Leitfragen zum erfolgreichen Unterrichten

In welchem Kompetenzbereich ist die Stunde verortet und mit welchen Inhalten ist diese Kompetenz verknüpft?

Die als Autoren tätigen Lehrkräfte der GISSV pflegen in einem ersten Arbeitsschritt die Kompetenzen, die in den Curricula ihrer Fächer angeführt werden, mithilfe eines Kompetenz-Editors in das System ein. Alle folgenden Eingaben, z.B. Bibliotheksinhalte, Unterrichtsstunden oder Arbeitsaufträge, werden jeweils einer Kompetenz zugeordnet.

Welches Material stelle ich zur Verfügung?

In der für Lehrer und Schüler (nach Freigabe durch die Lehrkraft) zugänglichen Bibliothek werden geeignete Materialien erfasst und mit zusätzlichen Such- und Sortiermerkmalen versehen. Neben der Kompetenz können das fachspezifische Kriterien sein wie z. B. in der Mathematik die Leitideen (Approximieren, Funktionen, Raum und Form, …) bzw. die Kompetenzbereiche (mathematisch argumentieren, modellieren, …). Dadurch können die Bibliotheksinhalte nicht nur konkreten Unterrichtsstunden zugeordnet werden, sondern auch kompetenzspezifisch abgerufen oder zur Vernetzung zwischen verschiedenen Themengebieten bzw. Kompetenzbereichen verwendet werden.

Wie lauten meine Arbeitsaufträge?

Die Arbeitsaufträge an die Lernenden werden im Editor formuliert und per Klick mit Merkmalen versehen, z.B. ob die Schüler Arbeitsergebnisse hochladen oder die Beiträge anderer Schüler bewerten sollen. Die Orientierung an der Feedbackkultur, die den Schülerinnen und Schülern aus dem Umgang mit sozialen Medien geläufig ist, z.B. Peer Rating und Kommentierung oder Foren, ist ein zentrales Anliegen des Projektes.

Gruppeneinteilungen und Differenzierungen können durch die Lehrkraft mithilfe des Systems effektiv vorgenommen werden. Durch die Einbindung des Videokonferenz-Werkzeugs Adobe Connect können auch Arbeitsaufträge erfasst werden, bei denen Schüler Formen der Onlinezusammenarbeit im und außerhalb des Unterrichts erlernen und praktizieren.

Welche Methoden sollen zur Anwendung kommen?

Das Methodentool unterstützt bei der Organisation komplizierterer Methoden, z.B. bei der Stationsarbeit oder dem Expertenpuzzle, indem z.B. die Experten- und Stammgruppen entsprechend der Zahl der Arbeitsaufträge eingeteilt werden. Auch hier wird der Lehrkraft die Möglichkeit gegeben, auf die individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Lernenden einzugehen, indem z.B. die Auswahl der Expertengruppen nicht zufällig geschieht.

Wie kann ich den „Output“ messen?

Der Frageneditor erlaubt die Integration von verschiedenen Assessment-Formen, beispielsweise Multiple Choice, Zuordnung, Anordnung u. v. m., wobei die Fragen aus einer Bibliothek abgerufen und zum Quiz zusammengestellt werden können. Im Fragen-Editor werden fachspezifische Werkzeuge eingebunden, die sich in der unterrichtlichen Arbeit bewährt haben, z.B. Graphen, Hörbeispiele, zufallsgenerierte Zahlen in numerischen Aufgaben, usw.

Neben der Motivierung durch die sofortige Rückmeldung der Ergebnisse können bei Aufgaben aus dem MINT Bereich strukturierte Hilfen eingebaut werden, die für die Binnendifferenzierung eine wesentliche Unterstützung darstellen.

Leitfragen zum erfolgreichen Lernen

Wie setze ich den Computer als Lern-Werkzeug ein?

Die von den Autoren der GISSV gestalteten Lernmaterialien adressieren und nutzen im besonderen Maße die technischen Möglichkeiten unserer Zeit und die Medienkompetenz moderner Lernenden, z.B. bei der Internetrecherche, der Gestaltung von multimedialen Präsentationen, der Erstellung von Filmen und Musikstücken, dem Einsatz von Mess-Interfaces oder dem entdeckenden Lernen mithilfe von Simulationen oder dynamischer Geometrie-Software und vieles mehr.

Wie finde ich Lernmaterialien/Wissen?

Durch die Verlinkung des Stundenplans und der Bibliothek via Kompetenzen werden die Lernenden während der gesamten Oberstufe durch Unterrichtsmaterialien auf effiziente Weise unterstützt, welche sie sowohl chronologisch, thematisch als auch kompetenzorientiert suchen können.

Welche Formen der Kommunikation helfen mir gemeinsam mit anderen zu lernen?

Die sachgerechte Nutzung der angebotenen Formen der synchronen und asynchronen Kommunikation stellt einen wichtigen Bereich der Medienkompetenz der Lernenden dar. Dabei werden sowohl die objektive Bewertung und Kommentierung von Beiträgen anderer Schülerinnen und Schüler als auch die Kommunikation bei einer Videokonferenz mit mehreren Teilnehmern und gemeinsamen Whiteboard regelmäßig geübt und reflektiert.

Wo stehe ich im Lernprozess?

Schülerinnen und Schüler erhalten Feedback und Orientierung z.B. durch die Lehrkraft, wenn sie die Überarbeitungs- und Kommentierungsfunktionen zu eingereichten Schülerbeiträgen nutzt oder durch das erreichte Ergebnis bei elektronischen Aufgaben. In der „Lernwelt“ werden die erfolgreich absolvierten Lernerfolgskontrollen anzeigt.

Wie dokumentiere ich meine Fortschritte/Erfolge?

Für das Ende des Schuljahres 2015/16 ist ein Schülerportfolio zur Dokumentation und Präsentation des Lernfortschritts projektiert.

Ausblick

Die technischen Möglichkeiten werden im deutschen Bildungssystem noch zu oft als Bedrohung angesehen, z.B. sorgen sich Lehrkräfte eher darum, wie sie den Einsatz von Smartphones zur unerlaubten Recherche bei Lernzielkontrollen unterbinden können, als dass sie deren interaktiven Möglichkeiten z.B. bei der Durchführung von lehrergesteuerten Rundgängen mithilfe des Smartphones und Cardboards in der „Virtual Reality“ nutzen würden.

Die Unterrichtstechnologie wird davon profitieren, dass Endgeräte immer preiswerter und leistungsfähiger werden. Das Projekt bietet didaktisch-methodische Ansätze, die diesem Umstand ebenso wie die in Zeiten von Industrie 4.0 veränderten Anforderungen an das Schulsystem Rechnung tragen. Dabei steht stets die Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Lehrkräften und Lernenden - sei es untereinander oder jeweils mit der anderen Gruppe – im Mittelpunkt. Ausdrücklich nicht geplant ist dabei rezipierendes Lernen im Rahmen eines Online-Kurses.

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